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Zwanzig Disziplinen an einem Wochenende: „Man muss einfach irgendwie durchkommen“

Felix Trogisch (M35) ist der erste TSG-Athlet, der einen Zwanzigkampf bestritten hat. Bei der Ultramehrkampf-WM im französischen Besançon absolviert er über zwei Tage 20 leichtathletische Disziplinen und holt sich am Ende die Bronzemedaille.

Mit Vereinskollegin Ellise Meyer spricht Felix über seine Eindrücke vom Wochenende, die besonderen Herausforderungen dieses Events und ob er einen Zwanzigkampf nochmal machen würde.

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Foto: adc_photographies


Es ist ein verregneter Sonntagnachmittag auf dem Trainingsgelände der TSG 78 Heidelberg. Felix Trogisch und Vereinskollegin Ellise Meyer haben gerade einen Burger auf dem TSG-Sommerfest genossen, da fängt es an, in Strömen zu regnen. Sie flüchten daher in die Hürdengarage.

Ellise

Hallo Felix. Herzlich willkommen hier in unserer schönen Garage.

Felix

Hallo Ellise. Es freut mich sehr, heute hier zu sein.

Ellise

Darfst auch gerne ein bisschen natürlicher sprechen.

Felix

Ach so. Okay.

Ellise

Felix, du bist jetzt vor kurzem von deinem Zwanzigkampf in Frankreich zurückgekommen –

Felix

Woohoo!

Ellise

– hast ihn sehr erfolgreich überstanden.

Felix

Am dritterfolgreichsten, muss man dazu sagen.

Ellise

Am dritterfolgreichsten, genau. Ich wollte dich mal ein bisschen dazu befragen. Vielleicht kannst du erst mal erzählen: wie kamst du eigentlich zu dieser Idee? Ich weiß noch, wir haben vor 20, äh vor zwei Jahren, schon mal hier gequatscht. Quasi an selber Stelle, dort drüben. Und da hattest du mir offenbart, dass das dein letzter Zehnkampf wird. Da bin ich eigentlich davon ausgegangen, du machst keinen Mehrkampf mehr. So, und jetzt hast du das Ganze einfach verdoppelt. Wie kam es zu dieser grandiosen Idee?

Felix

Ja, das war ein bisschen weird. Also wirklich, das Interview ist sogar noch kürzer her. Das war letztes Jahr. Ich glaube, es war im Mai oder Juni. Vor der WM.

Ellise

Echt? Ich dachte, es wäre schon zwei Jahre her gewesen. Siehst du mal.

Felix

Es wurde pünktlich zu Nicos legendärem Junggesellenabschied hochgeladen.

Ellise

Ja, guck mal. Richtig. [siehe Interview vom 25.05.24]

Felix

Genau. Jedenfalls, ich hatte festgestellt, dass ich mir im Mehrkampf einfach mittlerweile, vor allem im Zehnkampf, zu viel Druck gemacht habe und auch so ein bisschen den Spaß verloren hatte. Und habe dann auch nach dem Zehnkampf sogar noch einen Fünfkampf in der Halle gemacht und wurde bei beiden Vierter in der Welt und habe gedacht: „Okay, ich werde wohl, ohne dass große Dinge passieren, keine Medaille bei Weltmeisterschaften erlangen und offenbar ist es meine Bestimmung, Vierter zu sein." Und das hat dann nach zwei Malen auch gereicht und dann dachte ich mir: Okay, aber so eine richtige Herausforderung noch mal zum Abschluss fehlt ja noch so ein bisschen und da kam dieser Zwanzigkampf zeitlich ganz gut gelegen. Eigentlich war es eine Verkettung von verschiedenen Umständen, die dazu geführt haben, dass ich das angemeldet habe. Erst mal, ich wollte es unbedingt irgendwann mal machen, weil das ist einfach ein bisschen krank.

Ellise

Also du wusstest schon lange von der Existenz eines Zwanzigkampfs? Ich hatte nämlich davor noch nie davon gehört, bis du mir davon erzählt hast.

Felix

So richtig konkret teilzunehmen, habe ich noch nie wirklich drüber nachgedacht. Ich wusste, dass das existiert, ja. Das wusste ich schon ein paar Jahre, hatte aber nie wirklich drüber nachgedacht, das zu machen. Und dann war es halt so: Die WM sollte dieses Jahr in Frankreich sein, in Besançon. Das ist tatsächlich in der Nähe zur deutschen Grenze. Also nur vier Stunden Autofahrt von Mannheim. Das war schon mal etwas, was sehr gut dazu beigetragen hat.

Es kam dazu, dass die EM und auch die DM dieses Jahr alle sehr spät sind. Die EM in Madeira ist erst im Oktober. Das heißt, es war eine perfekte Gelegenheit, das jetzt zu machen. Und ich hatte mir ja, wie bereits mehrfach gesagt, vorgenommen, nie wieder einen Zehnkampf zu machen, aber der letzte Zehnkampf war ja noch nicht mal ein Jahr her, im letzten August. Und deswegen war einfach die Technikgrundlage noch da, zusätzlich zur Trainingsgrundlage der Ausdauer im Winter. Da dachte ich mir: jetzt wäre die perfekte Gelegenheit, das dann doch mal zu machen. Und so habe ich mich dann tatsächlich sogar noch vor der WM in Florida, nämlich Ende Februar, dort angemeldet, um dann auch zu wissen: okay, es geht dann schon noch irgendwie für die Sommersaison mit einem Ziel, das vor Oktober liegt, weiter.

Ellise

Erzähl vielleicht erst mal den Leuten: was gehört alles zum Zwanzigkampf dazu?

Felix

Also ein Zwanzigkampf hat – wer hätte das gedacht – 20 leichtathletische Disziplinen. Und zwar nimmt man einen normalen Zehnkampf und behält auch die Reihenfolge der Disziplinen bei und alle ein bis zwei Disziplinen kommen halt einfach noch ein bis zwei Disziplinen dazu.

Ellise

Einfach mal so, ja.

Felix

Einfach mal so. Da fällt einem relativ schnell auf, dass es eigentlich nur noch zwei technische Disziplinen gibt, nämlich Hammerwurf und Dreisprung. Das heißt, es bleiben acht Läufe übrig. Wer dann noch ein bisschen weiterdenkt, stellt fest, es gibt dann nur noch sechs olympische Läufe, die fehlen. Das heißt, man muss noch zwei dazunehmen, die gar nicht olympisch sind, nämlich 3000 Meter und 200 Meter Hürden.

Und das führt auch dazu, da es ja dann doch insgesamt mindestens vier Langstrecken gibt –  je nachdem, wie man Langstrecke definiert –  also für Sprinter sind es mehr als vier Langstrecken, aber für alle Leute, die ein bisschen mehr als rennen können, wissen, dass es nur vier Langstrecken sind. [Ellise, selbst Sprinterin, lacht.] Jedenfalls heißt das, man muss dann am Tag auch öfters mal länger laufen. Das heißt, man läuft dann 5.000, hat eine Pause und es geht weiter. Das ist etwas blöd, aber da muss man dann durch.

Ellise

Da muss man dann durch.

Felix

Ja. Es sind letztendlich vier Blöcke à fünf Disziplinen. Entweder mit einer kurzen Mittagspause oder Über-Nacht-Pause belegt. Und jeder Block hat eine Langstrecke, einen Sprung, einen Wurf und noch entweder zwei Sprints oder einen Sprint und zwei längere Läufe oder einen längeren Lauf.

Ellise

Was dachtest du im Vorfeld, welche Disziplinen für dich am herausforderndsten werden?

Felix

Am herausforderndsten sicherlich die Langstrecken alle durchzuhalten, weil auch wenn ich einigermaßen gut für einen Mehrkämpfer laufen kann, ist es ja trotzdem noch was anderes, das dann in zwei Tagen – sind ja auch immer noch nur zwei Tage – auf die Bahn zu bringen, vor allem mit den kurzen Pausen. Ja, und natürlich dann die, die ich noch gar nicht gemacht hatte, da bleibt ja eigentlich nur noch Hammerwurf und der Dreisprung, die ich komplett neu lernen ... wollte.

Ellise

Dreisprung als vorletzte Disziplin, wohlgemerkt.

Felix

Das kommt auch dazu, dass dann die beiden schönen, nämlich Hammerwurf und Dreisprung, jeweils die vorletzte Disziplin am Tag sind. Hammerwurf ist, glaube ich, der anstrengendste Wurf. Die Werfer können das nachvollziehen. Also es ist wirklich so, jeder Hammerwurf bringt einen außer Puste. Und Dreisprung ist ja nicht nur anstrengend, sondern auch noch sehr verletzungsanfällig. Hat leider auch einen unserer Kollegen beim Dreisprung im Warmup zerlegt, sodass er dann den Zwanzigkampf nicht beenden konnte. Was dann ärgerlich ist, wenn es die 19. Disziplin ist – da muss man natürlich ein bisschen aufpassen. Ich habe auch den Dreisprung letztendlich nur aus einem kurzen Anlauf und ja, locker bestritten.

Ellise

Und hat sich diese Vermutung, dass diese Disziplinen am herausforderndsten werden, auch dann im tatsächlichen Zwanzigkampf bestätigt oder gab es da irgendeine Überraschung?

Felix

Tatsächlich nicht so ganz. Das Schlimmste war nämlich immer der Einstieg nach der Mittagspause, auch wenn die Mittagspause kurz war. Die beiden schlimmsten Disziplinen waren 800 Meter, also die sechste Disziplin am ersten Tag und die 400 Meter Hürden, die sechste Disziplin am zweiten Tag. Also letztendlich muss man sagen, spätestens ab Disziplin drei, vier, muss man eh mit den Kräften haushalten und kann die Disziplinen nicht mehr im Maximum bestreiten. Und gerade wenn man dann feststellt, was man eigentlich auf 800 Meter laufen können wollte oder sollte und was man tatsächlich noch laufen kann, macht das nicht so viel Spaß. Zumal ich dann auch ab 500 Meter starke Beugerkrämpfe hatte und das Tempo nicht mehr anziehen konnte, nur noch irgendwie durchjoggen musste. Die haben sich allerdings beim Hochsprung wieder gelegt, aber die 800 Meter waren schon relativ grausam.

Ellise

Wie lange war die Mittagspause jeweils?

Felix

Die war angesetzt mit zwei Stunden. Die waren aber etwas kürzer, da wir natürlich heftige Zeitplanverzögerungen hatten. Ich glaube, es waren anderthalb Stunden jeweils dann. Also Warmup macht man dann ja sowieso eigentlich nicht mehr, außer vielleicht eine halbe Steigerung, gerade vor den Läufen. Aber es waren so ungefähr anderthalb Stunden.

Ellise

Wie lange hast du dich im Vorfeld auf diese Meisterschaft vorbereitet?

Felix

Ich habe tatsächlich nach der Hallensaison angefangen. Erst mal mit Hammerwurf. Das hatte ich als erstes angefangen, neu zu machen. Ein bisschen Hürdengrundlagen und viel Laufen. Bis ich im Mai festgestellt habe, ich habe viel Ausdauer, bin aber unfassbar langsam, sodass ich dann doch das Training ein bisschen umstellen musste, dass die Spritzigkeit wieder reinkommt. Aber es hat ganz gut getan, einen Monat lang Ausdauer aufzubauen und auch aufrechtzuerhalten.

Ellise

Hast du die für dich noch unbekannten Disziplinen mal vorher auf einem Wettkampf erprobt?

Felix

Ja, ich bin tatsächlich als einziger Teilnehmer Baden-Württembergischer Seniormeister im Hammerwurf geworden.

Ellise

[lacht] Ja, herzlichen Glückwunsch.

Felix

Danke [lacht auch]. Mit einer unfassbaren Weite von 18 Metern. Genau, sonst, Dreisprung habe ich nur zweimal trainiert. Deswegen ja auch nur der kurze Anlauf. Und sonst habe ich sowieso nur einen Wettkampf vorher gemacht.

Ellise

Wie war denn insgesamt die Erfahrung für dich?

Felix

Es war sehr schön. Es hat unfassbar viel Spaß gemacht. Hätte ich so nicht erwartet. Es hat mehr Spaß gemacht als die letzten Fünf- oder Zehnkämpfe, muss man sagen.

Es war anstrengend. Es war furchtbar anstrengend. Ich hatte tatsächlich dann irgendwann zwei, drei Tage vorher doch angefangen, ein bisschen Panik zu bekommen, wie man dann so einfach mal 5.000 Meter läuft und dann noch mal 800 Meter hinterher und auch noch 400 dann. Das hat aber ganz gut funktioniert. Ach so und 3.000m Hindernis hatte ich auch noch nie gemacht.

Ellise

Ja, richtig!

Felix Wassergraben

Felix

Genau, mein erster Wassergraben war im Wettkampf dort. Ja, das war auch super. Ja, und dann… Also tatsächlich, das größte Leiden hatte ich so in der zweiten Nacht danach, als ich Mitternacht mit furchtbaren Wadenschmerzen aufgewacht bin, weil einfach alles zugegangen ist. Aber an sich hat es eigentlich tatsächlich mehr Spaß als Schmerzen bereitet.

Ellise

Das freut mich zu hören. Schönes Erlebnis. Heißt das, du würdest noch mal einen Zwanzigkampf machen oder bleibt es bei dem einen Mal?

Felix

Man soll ja niemals nie sagen, aber nein. Also es wird keinen mehr geben, es bleibt bei dem einen Mal.

Ellise

Alles klar. Was die Herangehensweise an so einen Zwanzigkampf angeht, was wären denn deine Empfehlungen?

Felix

Also ich habe mir da zuvor schon ein paar Gedanken gemacht. Und was ich mir überlegt hatte im Vorfeld, war einfach jede Strecke, die 200 Meter lang oder kürzer ist – also dann natürlich auch Weitsprunganlauf und so Geschichten – wirklich voll zu machen, also da keine Kraft zu sparen. Und dann 400 oder 800, die beiden einfach wirklich zügig angehen, also erstmal 400 zügig angehen, weil 400 Meter langsam angehen funktioniert nicht, das macht es nur schlimmer. Also 400 Meter, 400 Meter Hürden zügig angehen und dann laufen lassen; 800 Meter und alles längere deutlich defensiver angehen und hinten raus steigern. Hat bei 800 Metern, wie beschrieben, aufgrund der Krämpfe nicht so gut funktioniert.

Bei allem, was dann länger als 800 Meter war, hat es aber sehr gut funktioniert, außer die 5.000 Meter, da sind wir aber alle überpaced. Gerade die langen Läufe, 3.000, 3.000 Hindernis, 10.000, konnte ich mich hinten raus noch tatsächlich steigern, ein paar Leute einkassieren. Ich habe dann auch während des Wettkampfes ein bisschen variiert. Eine Regel ist zum Beispiel bei den Vertikalsprüngen (also Hochsprung, Stabhochsprung), dass die von vornherein begrenzt sind – man hat nur sechs Versuche jeweils.

Zusätzlich zur Regel, dass man bei drei Fehlversuchen auf einer Höhe draußen ist. Und da hatte ich mir überlegt, auch aufgrund der Ermüdung, sehr niedrig einzusteigen und dann zu gucken, wie es läuft. Da bin ich dann auch nur jede zweite Höhe gesprungen, also Hochsprung zwischen 1,42m, dann weiter 1,48m usw. Und da habe ich auch den Hochsprung tatsächlich nach vier (mit übersprungenen 1,60m) und den Stabhoch nach drei (mit 2,70m) Sprüngen aufgehört. Das war auch ganz cool für den Kopf, da wirklich ohne Fehlversuch zu bleiben.

Dann hatte ich mir überlegt, bei den technischen Disziplinen wirklich abzuwägen: was bringt es jetzt noch, da weiter zu kämpfen? Denn 2,90m gegen 2,70m im Stabhochsprung sind kaum Punkte – dann ist es sinnvoller, unverletzter durchzukämpfen und sich zu schonen. Deswegen habe ich den Dreisprung zum Beispiel auch mit einem gültigen Sprung und 10,14m (leider etwas viel Rückenwind) aufgehört.

Ellise

Wie war das bei den Disziplinen wie Dreisprung und Weitsprung, da hat man zwei Versuche?

Felix

Drei Versuche.

Ellise

Ah. Ich habe bei Wikipedia gelesen, dass man nur zwei Versuche hat, um einen zügigen Ablauf zu garantieren.

Felix

Nee, das ist eine Lüge. Muss man den Artikel direkt mal editieren, das sind auch drei Versuche. Und auch das Einspringen, Einwerfen ist entspannter. Es war nicht so, dass man nach zwei Versuchen direkt gerügt wurde, sondern man wurde sogar gefragt, ob man noch einen dritten haben möchte. Aber wer da ganz bei Trost ist, weiß, dass ihm auch ein dritter Einwurf beim Hammerwurf nicht wirklich was bringt, sondern ein guter Wurf auch langt.

Ellise

Wann ging der Wettkampftag jeweils los?

Felix

Geplant war 8.30 Uhr, hat auch jeweils funktioniert [bei den 100 Metern und 110m Hürden]. Hinten raus hat sich es ein bisschen verzögert. Ich glaube, wir waren am ersten Tag um 21 Uhr oder so im Ziel, am zweiten Tag eigentlich auch. 

Es war super organisiert, muss man sagen. Bei 20 Disziplinen oder 10 Disziplinen pro Tag – und es war ja nicht nur Zwanzigkampf, sondern auch Vierzehnkampf der Frauen, Vierzehnkampf offen für Männer, dann waren es ja auch noch 3 Riegen pro Zwanzigkampf, also insgesamt 4 Riegen an dem Tag. […] Das hat schon sehr gut funktioniert.

Ellise

Würdest du abschließend sagen – sowohl beim Zwanzigkampf als auch beim Vierzehnkampf der Frauen –  geht es eher darum, sich durch alles durchzukämpfen als jetzt super zufrieden mit all deinen Leistungen zu sein?

Felix

Ja, also klar, es geht nicht darum, in Disziplinen persönliche oder Saisonbestleistungen aufzustellen, das muss eigentlich jedem klar sein, der da an den Start geht. Ich glaube schon, dass der Fokus darauf liegt, da durchzukommen. Die Regel ist ja auch –  im Gegensatz zum normalen Zehn- oder Siebenkampf: man muss jeden Lauf beenden.

Du darfst Nuller in technischen Disziplinen machen, du darfst auch disqualifiziert werden in den Läufen, aber du musst ins Ziel kommen. Selbst wenn du über die Hürde fällst, dann drunter durchkrabbelst und weißt, du bist disqualifiziert – du musst ins Ziel kommen, weil sonst wirst du komplett rausgenommen, weil du behältst ja den Vorteil gegenüber jemandem, der den Lauf langsam bestreitet. Da weiß man, man muss einfach irgendwie durchkommen und am Ende ist es auch schön, wenn man dann 20 Werte erzielt. Es geht wirklich nur in dem Fall um Spaß.

Ellise

Wie ging es dir dann am Abend des zweiten Tages?

Felix

Hui, hungrig. Ich konnte in der Mittagspause in beiden Tagen eigentlich nicht wirklich was essen, denn wenn man gerade 5.000 Meter gelaufen ist und weiß, man darf in einer Stunde 800 Meter laufen, ist der Appetit überschaubar. Gleiches gilt für 3.000 und 400 Meter Hürden.

Deswegen war ich hauptsächlich hungrig und durstig. Ansonsten erschöpft, aber auch zufrieden, weil ich wusste, ich hatte es geschafft und ich hatte eine Menge Spaß mit den anderen aus unserem deutschen Team. Es war wirklich ein sehr schönes Wochenende.

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Ellise

Wie lange, denkst du, hat dein Körper gebraucht, um sich zu erholen?

Felix

Wie gesagt, die Schmerzen kamen dann tatsächlich nochmal nachts, wenn das Adrenalin runtergeht. Aber ich denke mal schon, dass ich nach zwei, drei Tagen eigentlich wieder durchaus einigermaßen erholt war. Ich habe mir dann eine Pause bis zum Ende der Woche gegönnt, also auch nicht sehr viel länger als bei einem normalen Mehrkampf. Und die nächsten Wettkämpfe kommen ja auch wieder.

Ellise

Ich wollte gerade fragen – man könnte ja denken, dass das jetzt das Ende der Saison war, aber eigentlich geht es bei dir jetzt erst richtig los, oder?

Felix

Nein, das war eigentlich der Saisoneinstieg. Der nächste Wettkampf ist dann tatsächlich schon in zwei Wochen.

Ellise

Was steht da an?

Felix

Die Interlands, das ist ein Länderkampf zwischen Belgien, der Niederlande, Frankreich und Deutschland in Den Haag. Wieder mal nach Ewigkeiten wurde der organisiert. Dann sind zwei Wochen danach die deutschen Masters-Meisterschaften. Und dann ist Mitte Oktober wie gesagt die EM auf Madeira. Das sind so die Ziele erstmal. Da werde ich mich dann hauptsächlich auf die Kurz- und Langhürden fokussieren.

Ellise

Okay, sehr schön. Hast du dir da ein Ziel vorgenommen, für die EM jetzt zum Beispiel?

Felix

Ja, mir fehlt immer noch bei der EM halt eine Goldmedaille. Also wäre das doch ganz nett zum Abschluss. Ansonsten verletzungsfrei bis Oktober durchkommen, eine schöne Zeit auf Madeira haben, eine schöne Staffel am Ende laufen, Spaß mit den Leuten haben. Das ist eigentlich erstmal das Wichtigste. Und wie gesagt, ein paar sportliche Ziele gibt es ja auch trotzdem noch.

Ellise

Wunderbar, dann vielen Dank dir.

Felix

Bitte schön, ich danke dir.


Das Interview wurde am 27. Juli 2025 geführt.

EM